„Diese Mannschaft ist wie eine Familie“, meint Nadir Gündogdu. Sein Vater Veli gründete den SC Türkiyem im Jahr 2002, sein Onkel Ali trainiert heute die erste Mannschaft und zusammen mit seinem Cousin Gökhan steht Nadir auf dem Feld. „Ich war als kleiner Junge bei der Gründung dabei und habe fast alle Spiele gesehen, weil mich mein Vater mitgenommen hat“, erinnert sich der 21-Jährige. Dabei stand der Verein 2012 kurz vor dem Ende, als Vereinsgründer und Trainer Veli Gündogdu einer schweren Krankheit erlag. „Für mich bedeutete das den Verlust von Vater, Freund und Trainer“, so Nadir. „Ein Schock für uns, für die Familie und für den Verein“, erklärt Ali Gündogdu: „Wir haben lange überlegt, ob wir weitermachen sollen und können.“ Doch die fußballverrückte Familie entschied sich für das Projekt Velis. „Er hat so viel Kraft in den Verein investiert und wollte, dass wir nicht aufgeben“, so Ali weiter. Auch Gökhan Gündogdu erinnert sich an die schwere Zeit: „Mein Onkel hat das alles auf die Beine gestellt. Wir haben viel Kraft und Hilfe gebraucht, aber wir haben es geschafft.“ Besondere Hilfe erhielt der Verein von den Stadtwerken Münster, deren Logo man auch bei den Stadtmeisterschaften auf den Trikots Türkiyems fand. „Ohne diese Unterstützung hätten wir es nicht geschafft. Aber jetzt können wir stolz auf uns sein – denn ohne die Familie würde diese Mannschaft nicht existieren“, so Ali Gündogdu: „Man muss mit Herz und Liebe dabei sein, dann erreicht man vieles.“

Bei den diesjährigen Stadtmeisterschaften überstand Türkiyem die Vorrunde, musste dann mit drei Niederlagen in der Zwischenrunde die Segel streichen. Trotzdem: Die Enttäuschung bei den Beteiligten hielt sich in Grenzen: „Es hat sehr viel Spaß gemacht, vor allem vor so vielen Zuschauern zu spielen“, schwärmt Gökhan, und auch sein Cousin Nadir zeigte sich stolz: „Die Mannschaft hat sich geschlossen präsentiert und in der Vorrunde haben wir gut gespielt.“ Klar, nach zwei Niederlagen gestern zum Auftakt war das Fünkchen Hoffnung auf die Überraschung erloschen. Der Trainer erklärte den frühen Knock-out in der Zwischenrunde: „Mit unserer jungen Mannschaft fehlte uns bei diesem Turnier die Erfahrung. Hallenfußball ist immer hektisch und dadurch wurde unser Spiel zu unruhig.“ Zwei frühe Rückstände in den Spielen zogen Türkiyem den Zahn, „das hat uns unser Selbstvertrauen gekostet“ (Ali Gündogdu). Dann, als es um nichts mehr ging, spielte die Mannschaft besser. Gegen Bezirksligist Kinderhaus ging Türkiyem in Führung und verlor das Spiel erst in den letzten Minuten. „Wir können wirklich stolz darauf sein, wie wir uns und unsere Mannschaft hier präsentiert haben“, so Gökhan. „Früher hat Veli die ganze Last allein getragen, nun setzen wir das fort und teilen sie unter uns auf.“ Nach der Winterpause geht es für den Verein wie gewohnt in der Kreisliga C weiter. „Wenn die Mannschaft zusammenbleibt, dann können wir noch weiter nach oben kommen“, prognostiziert Ali Gündogdu. Er hat den Verein nach dem Schicksalsschlag 2012 zusammengehalten und will dafür sorgen, dass der FC Türkiyem der Fußballlandschaft Münsters auch weiterhin erhalten bleibt.

Quelle: http://www.muensterschezeitung.de/Sport/Stadtmeisterschaften/1830170-SC-Tuerkiyem-Eine-grosse-Familie